Pfirsichschnitt: Wo kein Blättle ist, kommt kein Neutrieb mehr

Der Obst- und Gartenbauverein Bettringen hatte im April zu einem Schnittkurs eingeladen bei dem es speziell um den Schnitt und die Pflege von Pfirsichen ging. 22 Besucher trafen sich im Garten der Familie Kern in der Hardtstraße. Vorstand Suitbert Geiger freute sich besonders darüber, dass unter den Besuchern auch einige neue Gesichter zu sehen waren.

Vor Beginn der Veranstaltung konnten die Anwesenden eine Baumschere sowie eine Einhandkettensäge, beide mit Akku betrieben, in Augenschein nehmen, die der Hausherr zur Besichtigung und zum Einsatz beim Schnittkurs bereitgelegt hatte.

Fachberater Franz-Josef Klement führte den Anwesenden einige grundlegende Unterschiede zwischen dem Schnitt von Pfirsichen und Apfel- oder Birnbäumen vor Augen. So verträgt der Pfirsich keinen radikalen Rückschnitt ins alte Holz „Denn dort wo kein Blättle ist, wächst auch nichts mehr“, schärfte er den Zuschauern ein. Der Pfirsich müsse vielmehr an den letztjährigen Trieben immer scharf zurückgeschnitten werden um kräftige Neutriebe zu erhalten.

Klement empfahl, den Pfirsich erst spät zu schneiden. Man könne dann die etwas größeren rundlichen Blütenknospen und die spitzen Blattknospen besser unterscheiden. Sitzen nur Blütenknospen am Zweig, fehlt es an der Ernährung der Früchte und sie fallen ab. Ein Trieb mit reinen Blattknospen wird auf 2 Augen zurückgeschnitten um die Bildung frischer Neutriebe anzuregen. Wenn sich direkt am Stamm ein Neutrieb bildet, was eher selten vorkommt, so sollte auch dieser sofort auf 2 Augen zurückgeschnitten werden.

 

Der Pfirsich ist anfällig für Spätfröste weil er keinen Frühling kennt und sofort anfängt treiben, wenn ein paar warme Tage kommen. Er ist dann sehr frostempfindlich und reagiert schon um den Gefrierpunkt mit Frostschäden. Noch frostanfälliger sind Aprikosen. Nach Einschätzung von Fachberater Klement müsse man in unseren Breiten damit rechnen, dass man nur 2 bis 3mal in 10 Jahren Aprikosen ernten könne.

Interessiert verfolgten die Anwesenden, wie Klement einen älteren Pfirsichbaum mit verkahlten Ästen, gekräuselten Blättern und Gummifluss stark zurückschnitt und in Form brachte. Hierbei erwähnte er, dass Gummifluss ein Zeichen für Stress sei, den der Baum habe, weil ihm entweder zu trocken ist oder ihm die Abkühlung in der Nacht fehlt.

 

Im Nachgang schnitt Klement noch einen Apfelbaum auf der schwachwüchsigen Unterlage M9 zurück.

Hierbei betonte er nochmals deutlich den Unterschied zu den vorher gezeigten Schnittmaßnahmen beim Pfirsich, die auch für Nektarinen und Sauerkirschen anzuwenden sind.

Klement schärfte seinen Zuschauern ein, dass es besonders bei Spindelbäumen auf schwachwüchsigen Unterlagen wichtig sei eine Baumscheibe frei von Gras zu machen, damit der Baum genügend Wasser und Nährstoffe bekommt.